![]() |
|
| Andacht | |
| Wendet euch zu mir, so werdet ihr gerettet - aller Welt Enden, denn ich bin Gott uns sonst keiner. |
|
| Jesaja 45,22 |
![]() |
||
| © Eva Lechner auf pixelio.de | ||
Schon tauchen wir wieder ein in die graue Jahreszeit. Allein schon beim Monatsnamen „November“ fröstelt mir. Das Kirchenjahresende rückt näher und damit auch die Zeit der inneren Einkehr; Bußtag, Allerheiligen, Allerseelen und Ewigkeitssonntag. All das steht uns im November bevor. Und Bußtag zuerst!
Ein bisschen düster wird es schon, auch draußen.
Buße tun; eine unbequeme, eine aus der Mode gekommene Verrichtung. Klingt moralin-sauer, eben typisch nach Kirche und dem Staub der letzten Jahrhunderte.
„Wendet euch zu mir, so werdet ihr gerettet...“, spricht Gott durch den Mund seines Propheten Jesaja. Noch mal davongekommen – eben noch mit heiler Haut. Geglückte Flucht und doch beängstigende, unsicher Zukunft. Ich erzähle sie jetzt nicht, die Geschichte der Davongekommenen, damals auf dem Weg zurück in die alte Heimat. Sie kennen sie oder können sie nachlesen bei Jesaja.
„Ich bin euer Gott und sonst keiner – nach anderen Haltepunkten müßt ihr nicht Ausschau halten!“ .....ein wesentliches Stück der zentralen Botschaft aus dieser Geschichte.
Wie viel geht uns dieser Satz heute an? Darf oder muss ich mich angesprochen fühlen? Buße tun...umkehren?
Sich einfach umdrehen, die Richtung ändern und alles wird anders...alles wird gut?
Wie viele Menschen hoffen jeden Tag darauf, dass morgen alles anderes sein wird. Oder sie versprechen es einander! Wieder die Hand ausgerutscht, wieder mal im Ton entgleist, wieder mal der Versuchung oder der Sucht nicht widerstanden. Wahrscheinlich kennt jeder von uns solche Sätze zur Genüge und traut ihnen möglicherweise auch nicht mehr über den Weg:
„Ab morgen wird alles anders“.
Wie viele warten sehnsüchtig auf diese Wende im eigenen Leben. Möchten selbst kehrt machen, noch einmal ganz neu beginnen. Hoffnungslose Fälle? Die, die hoffen ebenso, wie die, die es jeden Tag neu beteuern? Von diesen Hoffnungen leben ganze Wirtschaftszweige: die Lotto- Gesellschaften, die Dudelfunk-Sender mit ihren 1000 Glücksspielchen und Casting-Shows, die plastischen Chirurgen ebenso, wie die Kosmetik- und Modekonzerne.
Geht das überhaupt, so eine Kehrtwende im Leben? Oder ist das Trägheitsmoment immer größer, als unsere Wendefähigkeit? Die Bibel ist voll von Geschichten über verkrachte Existenzen. Die großen und die kleinen Propheten allen voran. Jesaja genauso, wie Jona.
Oder Petrus und Paulus, der mal ein Saulus war. Alles Lebenswege mit Sackgassen und Wendeschleifen.
„Wendet euch zu mir“, sagt Gott. „Wendet euch zu mir, dann wende ich mich zu euch!“ Da wird keiner ausgeschlossen – „aller Welt Enden“ immerhin sollen sich wenden, so steht´s bei Jesaja. Was daraus wird, wie Gottes Zuwendung wirkt, davon kann man auch etwas lesen. Oder selbst erfahren. Man kann es wenigstens mal ausprobieren: sich Gott zuwenden.
Die Menschen damals, das Gottesvolk, die Zeitgenossen des Propheten, haben es erfahren: ORIENTIERUNG wiedergefunden, neues Leben entdeckt und eine neue Heimat. Ich kenne eine ganze Menge Menschen, die gerade danach auf der Suche sind. Ein neues inneres Zuhause (trotz ihrer schönen Wohnungen) und eine neue Ausrichtung im Leben. Wo geht’s lang Gott mit mir? Nicht auf jede Antwort wird es eine befriedende Antwort geben. Oder gar eine Antwort, die ganz und gar nicht gefällt. „Wendet euch zu mir, so werdet ihr gerettet. Aller Welt Enden, denn ich bin Gott und sonst keiner!“ So spricht Gott, der Herr. Darauf dürfen wir hoffen am Ende dieses Kirchenjahres. Und diese Hoffnung ist alles andere als düster!
Superintendent Michael Kleemann, Stendal


