| Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein. Wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht. |
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| (Johannes 12,24 - Andacht zur Passionszeit) |
Jetzt hat sie begonnen, die Passionszeit. „Am Aschermittwoch ist alles vorbei..“ heißt es in einem Karnevalslied. Die Narrenkappen sollten wieder eingemottet in der Kiste auf dem Boden liegen. Meine Erfahrung der letzten Jahre ist eine andere. Ich kann sie jetzt schon kaum noch ertragen, die ganzseitigen Zeitungsberichte von ausgelassenen Faschingsfeiern, wenn möglich wieder bis zum Karfreitag. Der tiefe Sinn dieser Kirchenjahreszeit scheint weithin verloren zu sein. Wer möchte schon gerne etwas hören über Tod und Sterben? Tabu-Themen werden an Fachleute delegiert: Ärzte, Schwestern, Seelsorger, Hospizhelfer....!
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Passionszeit: Wer will schon freiwillig das Leiden feiern? Unser Bibelwort vom Weizenkorn bläst alles andere als Trübsal; es ist ein Wort für´s Leben! „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt...“ , Sterben um des Lebens willen! Das ganz naturalistische Bildwort vom Samenkorn lässt auf einmal die Perspektive wechseln. Das, was daran wie ein Sterben aussieht, ist Grundlage für Bewegung und Entfaltung des lebendigen Keims. Der Anfang jenes wundersamen Prozesses, der die Frucht hervorbringt. Das lässt regelmäßig ganze Kindergruppen staunen. Ein Samenkorn in der Schublade verstaubt und verrieselt irgendwann. Aber ein bisschen feuchte Erde drüber, etwas Zeit und plötzlich keimt es grün. Wird der Tod von Jesus mit so einem Blick in Gottes Wunderkiste verklärt? Die Christen sollen ja bekannt dafür sein, dass sie sich die Welt schön reden: „Opium fürs Volk...!?“ Was soll schon Gutes daran sein, wenn jemand ans Kreuz genagelt wird und einen grausamen Tod erleidet? So stirbt Jesus! Sein Leib wird begraben, aber die Hoffnung seiner Feinde erfüllt sich nicht: Gottes Keim ist nicht tot zu kriegen. Das Evangelium lebt und breitet sich aus, über die ganze Erde.
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Pater Alfred Delp schrieb in einem der letzten Briefe aus der Gestapo-Todes-Zelle: “Wir müssen widerstehen, auch der Todesangst, um wenigstens als fruchtbares und gesundes Saatkorn in die Erde zu fallen.“ Das Leben einsetzen für das Leben. Ihre Namen stehen stellvertretend dafür: Dietrich Bonhoeffer, Maximilian Kolbe und Alfred Delp. Ihre Asche wurde verstreut, um ihre Namen vergessen zu machen. Aber sie ist zum Saatgut geworden in der Nachfolge von Jesus Christus, der mit dem Blick auf das Kreuz gesagt hat:
„Wahrlich ich sage euch, wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein.
Wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.“
Gedanken von Superintendent Michael Kleemann aus Stendal
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(Bilder: © Arnold / PIXELIO - www.pixelio.de)



