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  Andacht



  "Es war wirklich schön!"


  Andacht im September 2011  
  © S. Hofschläger / PIXELIO - www.pixelio.de  

Jesus Christus spricht:
Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.
(Monatsspruch September 2011)

Dieses Jesuswort rührt an einen wunden Punkt. Landauf, landab sind die Kirchen voll - nämlich vom Klagen um die Zahlen. Unsere Gemeindeveranstaltungen sind oft viel kleiner, als wir es uns wünschen. Auf die Frage: „Wie war der Gottesdienst?“, lautet - oft gehört - eine typische Antwort: „Naja, weißt du, wir waren bloß so wenige.“

Wir haben es uns angewöhnt, unsere Wertschätzung an die Quantität zu koppeln. Und oft bestimmt die Zahl der Teilnehmenden mit, ob wir eine Veranstaltung mögen oder nicht. Deshalb zählen wir alles: Gottesdienstbesucher, Konzertgänger, Spenden, Konfirmandenzahlen. Wenn die Zahlen steigen, ist es gut. Aber wenn nicht?

Doch wohin soll unser Wunsch nach „immer mehr“ führen in einem Land, in dem wir immer weniger werden? Denn auch wenn es schwierig ist, verlässliche Prognosen zu stellen, rechnet unser Landesentwicklungsministerium für den Landkreis Stendal bis zum Jahr 2025 mit einem Rückgang der Einwohner um fast 27%. Die Bevölkerung wird außerdem deutlich älter werden, die Zahl der erwerbsfähigen Personen soll sich um ein Drittel verringern.

Werden wir uns künftig kaum noch an Gottesdiensten, Kinder- und Jugendaktionen, an Konzerten oder Gemeindenachmittagen freuen können, weil wohl immer öfter immer weniger Besucher kommen werden?
In unserem Monatsspruch sagt Jesus zu seinen Nachfolgern: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ Nun hatte Jesus sicherlich gegen große Zuhörergruppen nichts einzuwenden. Aber offenbar wollte er auch deutlich machen: Das, worauf es ankommt, ist nicht an die Gruppengröße gebunden. Wenn Menschen sich für ihre Sache begeistern und zusammenfinden, geschieht das Eigentliche.

In seiner Nachfolge plädiere ich deshalb für einen entspannteren Umgang mit den Zahlen. Weil wir in Sachsen-Anhalt eher weniger Menschen werden, sollten wir nicht immer zuerst zählen. Wir sollten uns vielmehr an der gemeindlichen Vielfalt freuen, die wir in unseren Dörfern und Städten erleben dürfen. Wenn ich für mich Erfüllung, Sinn oder Kunstgenuss finde, ist es doch gar nicht so wichtig, ob fünf oder fünfzig Leute neben mir sitzen. Deshalb könnte auf die Frage: „Na, wie viele waren da?“ eine passende Antwort lauten: „Wenn du so fragst: Es war wirklich schön!“
Pfarrer Matthias Schröder, Stendal

Pfarrer Matthias Schröder, Stendal

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