02.05.2026
Worte aus der Kirche zum 03.5.2026
Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder (Psalm 98,1)
Liebe Leserinnen und Leser!
Dieser Sonntag trägt im kirchlichen Jahreskreis den Namen „Kantate“, was so viel bedeutet wie „Singet“. Wir werden durch den 98. Psalm ermuntert, ein neues Lied anzustimmen.
Unsere Zeit, so scheint es mir manchmal, ist voller Klagelieder, die täglich und überall angestimmt bzw. gesungen werden: Die Klagen über schlechte Zustände. Über die zunehmende Teuerung in vielen Bereichen, über den Unfrieden in der Welt und die Folgen für unser Leben. Da sind so viele Sorgen und Probleme, die uns das Leben schwer machen.
Wie soll man da noch fröhliche Lieder anstimmen? Ja, das Singen kann einem manchmal im Halse stecken bleiben. Und doch lese und höre ich den Wochenspruch aus den Psalmen: „Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder“.
Am 27. Mai dieses Jahres jährt sich der 350. Todestag des evangelischen Liederdichters Paul Gerhard. Am 12. März 1607 in Gräfenhainichen geboren, lebte und wirkte in einer bewegten Zeit der europäischen Geschichte. Es war die Zeit des Dreißigjährigen Krieges und dessen Folgen. Schon als Kind erlebte er die Wirren dieses Krieges bzw. die Folgen von Pest und Elend. Nach seiner Schulzeit in Grimma ging er zum Studium der Theologie nach Wittenberg. Später arbeitet er in Berlin, Mittenwalde und in Lübben als Theologe und Liederdichter. Seine Lieder erzählen von seinem tiefen Gottvertrauen, das ihn getragen und gehalten hat. Trotz allem, was er auch an Negativem erlebte, erzählen seine Lieder von Gottes Güte. Auch erzählen sie von der Schönheit der Schöpfung und der Natur, die wir in dieser Jahreszeit neu bewundern können. Da kommt mir das bekannte Lied „Geh aus, mein Herz, und suche Freud…“ in den Sinn. Ja liebe LeserInnen, manchmal macht es etwas Mühe, sich an das Schöne zu erinnern, dass es gibt. Paul Gerhard scheint sich und uns alle immer wieder zu ermuntern, ein frohes Lied anzustimmen, wenn er dichtet: „Du meine Seele singe, wohlauf und singe schön…“.
In vielen Gottesdiensten werden an diesem Wochenende wieder Lieder von ihm gesungen. Man kann es aber auch allein und Zuhause tun. Und wenn man die geistlichen Lieder nicht so mag, aus welchem Grund auch immer, kann man ja seine Lieblingslieder anstimmen oder mitsingen. Ich wünsche es Ihnen, dass Sie neu erleben, dass das Singen Kraft und Freude gibt. Mögen Sie es erleben – egal wo und wie – das wünsche ich Ihnen von Herzen.
Pfr. i.R. Ronald Smorodinzeff aus Bismark