10.05.2026
Worte aus der Kirche zum 10.5.2026
„Da hilft nur noch beten!“
Kennen sie auch diesen Stoßseufzer? Situationen, wo man überwältigt wird von einer Krise, von Trauer oder Bildern und Berichten aus Gaza, dem Sudan und den vielen Schreckensorten dieser Welt. Manchmal reicht schon die anstehende Prüfung oder ein bevorstehender Arztbesuch. Der morgige Sonntag trägt den wohlklingenden Namen „Rogate“. Das ist die lateinische Aufforderung zum Gebet. Manchmal muss uns niemand dazu auffordern. Da kommt es fast von allein, das ängstliche Stoßgebet. „Gott hilf mir!“ Oder ganz biblisch „Herr erbarme dich!“ Ja, Not lehrt beten! Selbst kirchenferne Menschen suchen so in der Angst nach einem Rettungsanker. „Betet!“, das ist zuerst eine unmissverständliche Aufforderung zum Gespräch mit Gott! Das kennen sie vielleicht auch aus Partnerschaftskonflikten: „Mensch - rede mit mir!“ Verschließ Dich nicht, komm aus der Deckung. Beten ist aber mehr als nur ein Stoßseufzer vor der praktischen Führerschein-Prüfung.
Die Aufforderung zum „Beten“ bedeutet: Nimm Dir Zeit für Gott. Tu es auf Deine ganz persönliche und zu Dir passende Weise. Er wird Dich schon finden und verstehen, ganz ohne Dolmetscher. Gott weiß unsere Tränen zu deuten und unser Lachen. Ihm ist kein Weg zu weit. Wir dürfen jederzeit zu ihm kommen. Auch nach einer langen Zeit der Gottes-Abstinenz findet er uns; auf der Pflegestation ebenso, wie in jedem Kinderzimmer. Kein Gesprächspartner ist ihm zu unbedeutend oder unbequem. Wer wieder Beten lernen will, kann den 5jährgen im evangelischen Kindergarten zuhören und wird verblüfft sein. Kindergebete sind frei von Hemmungen und erwachsener Vernunft. Janusz Korczak, Kinderarzt und Pädagoge leitete ein Warschauer Kinderheim für jüdische Waisen bis zu ihrer gemeinsamen Deportation 1942 nach Treblinka. Er hat sie aufgeschrieben, „Gebete von Kindern, Huren und Greisen“. Ein Rezensent schrieb in der ZEIT über dieses Buch: „Korczaks Gebete sind ein kleines Gebetbuch für Menschen, denen die Worte für ihre Sehnsucht abhandengekommen sind.“ Eine lohnenswerte Lektüre!
Michael Kleemann, Stendal