13.09.2026
Worte aus der Kirche zum 13.9.2026
Vater unser – Was meint eigentlich beten? Pastor Friedrich von Bodelschwingh erzählt aus seiner Kindheit eine Geschichte die deutlich macht, was der tiefste Sinn des Betens ist.
„Als ich ein ganz kleiner Junge von vielleicht drei Jahren war, da hatte meiune Mutter meine Schwester und mich zu Bett gebracht. Wir schliefen auch schnell ein. Aber nach einer Weile weckte uns etwas. Wir waren sofort hellwach. Wir saßen aufrecht im Bett und fürchteten uns. Es wurde uns in der Dunkelheit immer unheimlicher. ‚Komm!‘, sagte meine Schwester zu mir, ‚wir wollen aufstehen und in die Wohnstube gehen.‘ Um in das Wohnzimmer zu kommen, musste man durch zwei dunkle Zimmer hindurchgehen. Davor fürchtete ich mich. Als die innere Not aber immer größer wurde, wagten wir es. Wir fassten uns an den Händen und liefen zitternd durch die zwei dunklen Zimmer. Ich weiß noch wie heute, wie sehr mir mein Herz klopfte vor Angst und Erwartung. Endlich erreichten wir das Wohnzimmer. Unser Vater saß am Tisch. Als er uns sah, streckte er seine Hände nach uns aus. Wir kletterten auf seinen Schoß. Jetzt war alles wieder gut. Dann fragte er mich freundlich: ‚Was wolltest du denn, mein Junge?‘ und streichelte mir über den Kopf. Da hatte ich alle Not vergessen. Da hatte ich keine einzelnen Wünsche mehr. ‚Vater‘, sagte ich, und die Tränen liefen mir über das Gesicht, ‚Vater, ich wollte nur zu dir.‘“
Was heißt beten? Beten heißt, sich aus der Angst der Welt aufmachen und zum Vater gehen. Beten heißt, sehen, wie die Tür sich öffnet, aus der das ewige Licht auf uns fällt. Beten heißt, sich beim himmlischen Vater geborgen zu wissen und ihm zu vertrauen. Beten heißt, sagen: „Vater, ich wollte nur zu dir.“
Pastor Andreas Henke, Apenburg