14.06.2026
Worte aus der Kirche zum 14.6.2026
Müde und verzagt
Es ist mir manchmal einfach zu viel. Da will ich die Noise-Canceling-Kopfhörer gar nicht mehr abnehmen. Ölkonzerne verdienen Summen, die man sich nicht wirklich vorstellen kann. Alles mögliche wird teuerer. BAföG wird nicht erhöht, Kranken- und Pflegebeiträge schon. Unseren Psychotherapeutinnen – ja, es sind meistens Frauen – wird einfach so das Gehalt um 5% gekürzt. Dazu wird in der Gesellschaft gezündelt: Kinderlose soll mehr zahlen. Bürgergeldempfänger:innen werden in die Manege gezerrt. Menschen, die unsere Gesellschaft am Laufen halten, werden zum Problem gemacht und angefeindet, weil sie nicht Manfred heißen oder wie ein Friedrich aussehen. Lehrer:innen, die auf Demokratiefeindlichkeit deutlich hinweisen, wird das Vertrauen entzogen.
Es ist, als würde regelmäßig genau das, was nicht hilft, entschieden oder in Gang gesetzt. Dazu kommen abfällige Bemerkungen, Kränkungen und Streitsucht auch aus früher einmal moderaten Richtungen.
Dabei frustriert mich, dass jede und jeder für sich gesehen, die Sache irgendwie erklären kann. Die aktuelle Weltlage sei so schwierig. Die Vorgänger hätten geschludert. Hauptsache, man ist nicht Schuld. Es wird gefordert und angeprangert, abgelenkt und aufgepeitscht.
Im Bibelwort für diesen Sonntag kommt Jesus zu Wort: „Kommt alle zu mir, die ihr geplagt und mit Lasten beschwert seid! Bei mir erholt ihr euch.“ Man muss dafür nichts vorweisen. Es reicht, müde und verzagt zu sein.
Wie sehr ich mich genau danach sehne! Statt abweisen, ausweisen oder weiterverweisen, sagt einer: „Hier. Komm zu mir.“ Statt immer noch oben drauf zu packen, sagt einer „Bei mir wird’s leichter. Komm und erhol dich erst einmal.“
Das tut mir gut. Da will ich eine Weile bleiben; doch nicht zu lang. Weiter heißt es: „Vertraut euch meiner Leitung an und lernt von mir, denn ich gehe behutsam mit euch um und sehe auf niemanden herab. Wenn ihr das tut, dann findet ihr Ruhe für euer Leben.“
Nichts wird von allein besser. Abwarten und ausweichen bringt keine Ruhe. Ich glaube, dass Christenmenschen einen Auftrag haben. Das Gute, das wir von Gott bekommen, müssen wir weitergeben. Wenn andere mehr mit den Fingern zeigen, dann braucht es Menschen, die den Finger heben und sagen: „Ich. Ich mache das.“ Wenn andere Misstrauen sähen und auf Mitmenschen herabschauen und sie herabwürdigen, dann braucht es Menschen, die Brücken bauen und der Unmenschlichkeit widersprechen.
Gott zu vertrauen und Gottes behutsames Wesen ins Leben zu bringen, ist Beitrag für eine ruhige und friedvolle Gemeinschaft.
Pfr. Manfred Kiel, Schönhausen (Elbe)