16.11.2025
Worte aus der Kirche zum 16.11.2025

Gedenken nicht ohne Hoffnung!

Volkstrauertag. Ein staatlich verordneter Tag des Gedenkens. Ein stiller Tag, wie auch der Karfreitag.
Am Volkstrauertag gedenken wir der Opfer von Kriegen und Gewalt überall in der Welt. Wir schauen in die Geschichte und leider auch in unsere Gegenwart und finden genügend Gründe zum Gedenken.

Passend zum November, kurz vor dem Ende des Jahres und auch dem Ende des Kirchenjahres, wo es oft grau und kalt ist, denken wir ans Leiden und Sterben.

Aber es geht nicht um das Sterben am Ende des Lebens, im besten Fall alt und lebenssatt. Sondern um das gewaltvolle zu frühe Sterben vieler Menschen, die für etwas oder gegen jemanden gekämpft haben.
In den morgigen Gottesdiensten geht es um einen Menschen aus der Bibel, der sehr viel Leid erfahren und ausgehalten hat und einen inneren Kampf seines Glaubens mit Gott geführt hat.

Die Frage nach dem „Warum“ des Leidens, nach Schuld und Ursache von Leid wird im nach ihm benannten Buch Hiob gestellt. Eine Frage die so alt wie die Menschheit ist und auf die es in dieser Welt wohl keine Antwort gibt.
Genauso wenig wie auf die Frage, warum die Menschen sich Gewalt antun, sich gegenseitig Leid zufügen und keinen Frieden finden.

Also bleibt uns nur, diese Frage immer wieder zu stellen und der Opfer zu gedenken. Bis uns irgendwann klar wird, wie unsinnig Gewalt und Krieg sind und wie sinnlos das Sterben für eine Ideologie oder mehr Macht oder mehr Raum ist.
Hiob bekommt von Gott auch keine Antwort auf seine Frage nach dem „Warum“, die ihm gefällt. Aber er bekommt eine Antwort, die ihm Hoffnung schenkt. Hoffnung, dass er in allem Leiden nicht von Gott verlassen ist und er für seine Treue am Ende entschädigt wird.
In allem Gedenken am morgigen Tag, in allem Erinnern an Gewalt in unserer Geschichte und Gegenwart überall in dieser Welt, steht die Hoffnung, dass irgendwann Frieden sein wird. Frieden, der keine Rüstung und Abschreckung braucht, der uns ins Herz geschrieben ist und zu dem Selbstverständlichsten gehört, was Menschen tun können.

Frieden, der in dieser Welt herrscht und niemandes Leben fordert.

Ich wünsche uns in dieser grauen und unruhigen Zeit diese Hoffnung, die Hiob durch seine Leidenszeit getragen hat und festhalten ließ an der Güte Gottes. Dann können auch wir eines Tages erfahren, dass Gott all unsere Tränen abwischt und kein Leid mehr sein wird. Auch schon in dieser Welt.

 

Pfarrer Ronald Höpner, Klötze