16.08.2026
Worte aus der Kirche zum 16.8.2026

„Und, gut erholt?“ In diesen Tagen hört man diese Frage wieder häufiger. 

Schließlich waren Ferien, da sollte man schon etwas vorweisen können: Erholung zum Beispiel.

Das ist allerdings gar nicht so einfach. Urlaub kann bekanntlich anstrengend sein. Koffer packen, Stau, volle Züge, unterschiedliche Vorstellungen davon, was man heute unbedingt noch unternehmen sollte. Und wer zu Hause bleibt, entdeckt zuverlässig Dinge, die „endlich mal gemacht werden müssten“. Erholung braucht offenbar eine gewisse Disziplin.

Am Montag beginnt in Sachsen-Anhalt wieder die Schule. Brotdosen, Stundenpläne und Wecker übernehmen das Kommando, und auch sonst kehren viele in den gewohnten Rhythmus zurück.

Interessant finde ich, dass wir selbst die freie Zeit inzwischen gern nach ihrem Ertrag beurteilen. Habe ich mich ausreichend erholt? Genug erlebt? Die Zeit sinnvoll genutzt? Im schlimmsten Fall wird aus der Erholung das nächste Optimierungsprojekt.

Die Bibel erzählt da erstaunlich anders. Am sechsten Tag wird der Mensch erschaffen. Am siebten ruht Gott. Wenn man die Geschichte beim Wort nimmt, beginnt das menschliche Dasein also nicht mit einer Aufgabe. Der erste volle Tag des Menschen ist ein Ruhetag.

Ich mag diesen Gedanken. Der Mensch muss offenbar nicht erst beweisen, dass er fleißig genug war, bevor er sich eine Pause verdient hat. Er ist da – und das reicht zunächst.

Das widerspricht einer Welt, in der wir unseren Wert schnell mit dem verwechseln, was wir leisten, schaffen oder vorzeigen können. Sogar aus der Freizeit soll am besten noch etwas herauskommen.

Nun ist der Urlaub vorbei. Am Montag klingelt trotzdem der Wecker, und auch die Brotdose wird sich weiterhin nicht von selbst füllen. Aber der siebte Tag bleibt eine ziemlich kluge Erfindung: Es muss Zeiten geben, die keinen anderen Zweck haben, als dass wir sie leben.

Und auf die Frage „Gut erholt?“ darf man übrigens auch einfach antworten: „Es ging so.“

von Julia Modest, katholische Gemeindereferentin Region Altmark