19.07.2026
Worte aus der Kirche zum 19.7.2026

Veränderungen

Neue Ideen haben es nicht leicht. Sie müssen erst an einem ganz besonderen Türsteher vorbei. Sein Name lautet: „Das haben wir immer schon so gemacht.“

Ich bin mir sicher, jeder ist ihm schon einmal begegnet. Im Beruf. Im Verein. In der Familie. Und ja – auch in der Kirche. Das klassische Totschlagargument, nur damit sich ja nichts ändern muss.

Klar, Veränderung kann nerven und nicht jedes Update ist automatisch eine Verbesserung. Aber irgendwie wird Veränderung oft zu negativ gesehen. Ich meine, es verändert sich eh ständig alles im Leben. Meistens so schleichend, dass wir es gar nicht merken. Freunde kommen und gehen, Hobbys wechseln, sogar unser Geschmack ändert sich. Ich bin zum Beispiel echt froh, dass ich nicht mehr die Frisur aus der dritten Klasse habe. Sogar die Angst vor Veränderung selbst verändert sich mit der Zeit. Wenn man sich das mal bewusstmacht, verliert das Neue ein bisschen seinen Schrecken. 

Wie wäre es gewesen, wenn alle Menschen immer nur am Alten festgehalten hätten. Dann würden wir heute wohl noch mit Straßenkarten im Auto sitzen, anstatt uns vom Navi freundlich im Kreis herumführen zu lassen. Und den Text hier hätte ich auf einer Schreibmaschine geschrieben und mit der Post in die Redaktion geschickt.

Auch Jesus war keiner, der Dinge nur deshalb machte, weil sie schon immer so gemacht wurden. Er hat Gewohntes hinterfragt. Er hat Menschen angesehen, die andere übersehen haben. Er hat neue Wege eröffnet. Das verstehe ich auch heute als Auftrag der Kirche. Nicht krampfhaft modern sein. Aber auch nicht aus Angst vor Veränderungen stehen bleiben.

Vielleicht gilt das sogar für unser eigenes Leben. Manchmal braucht es nur einen kleinen Schritt. Ein offenes Gespräch. Einen neuen Gedanken. Oder den Mut zu sagen: „Wir probieren das einfach einmal aus.“ Deshalb gefällt mir dieser Satz hier viel besser: 

„Nur, weil man etwas schon immer so gemacht hat, heißt das noch lange nicht, dass es nicht noch viel besser werden kann.“

Ihre und Eure Pfarrerin Dorit Lau-Stöber
(Möringen-Uenglingen)