02.08.2026
Worte aus der Kirche zum 2.8.2026

Unvergessen

Liebe Leserinnen, liebe Leser!

Vor zwei Wochen war ich wieder einmal in dem Ort, in dem ich in meinen ersten 10 Dienstjahren als Pfarrer gelebt und gearbeitet habe. Gerne denke ich an diese Zeit zurück und verbinde sie mit vielen Erinnerungen. Bei diesem Besuch war ich nach langer Zeit mal wieder auf dem Friedhof und nahm mir Zeit für einen Rundgang.                           In den fast 30 Jahren, die seit unserem Wegzug vergangen sind, hat sich auch der Friedhof verändert.  Viele neue Gräber sind dazugekommen. Viele mir unbekannte Namen stehen auf den Grabsteinen.                                                        Beim Gang über den älteren Teil des Friedhofs entdeckte ich noch einige Gräber, die mich an einzelne Menschen              und Familien erinnern.  Es war wie eine Reise in die Vergangenheit.                                                                                                                                                                                        Neben den neuen Gräbern und der neuen Urnengrabstelle befindet sich ein Platz, wo Grabsteine von beräumten Grabstellen abgelegt werden.  Am unteren Ende dieser Grabsteine liegt ein runder Naturstein auf dem geschrieben steht:  Unvergessen.  Es befindet sich kein Name und kein Datum auf diesem Stein, einfach nur: Unvergessen.           Das beeindruckte mich sehr und erinnert mich daran, dass irgendwie immer einer da ist, der an einen denkt.              Es mag ein Angehöriger sein, ein naher oder ferner Verwandter, ein ehemaliger Arbeitskollege usw. und so fort.   Manchmal ist es aber auch ein Fremder, der über einen Friedhof geht und sich Gräber ansieht.                                     Ich muss gestehen, dass ich gerne mal einen Friedhof besuche, auch wenn ich im Ausland bin.                                        Dabei ist es interessant, wie unterschiedlich die Grabkultur ist.  Als ich im April für ein paar Tage in Wien war,              hatte ich den Wiener Zentralfriedhof auf meiner Wunschliste.  Zwar fand ich keine Gräber von Leuten, die ich persönlich kannte, aber dafür einige Namen auf Grabsteinen, die mir nicht ganz unbekannt sind.   Der Besuch auf diesem Friedhof war ein besonderes Erlebnis.  Dabei wurde mir erneut klar, dass wir am Ende doch alle irgendwie gleich sind, die Berühmten und Bekannten genauso, wie die sog. einfachen Leute.  Und doch denke ich, dass niemand, ob lebendig oder verstorben, bei Gott versessen ist.  Also „Unvergessen“.  Auch wenn wir vielleicht manchmal das Gefühl haben oder denken, dass man uns vergessen hat.       Bei Gott ist niemand vergessen!    Im Alten Testament spricht der Beter des 139. Psalms: „Von allen Seiten umgibst Du mich und hältst Deine Hand über mir…. bettete ich mich bei den Toten, siehe, so bist du auch da.“   Hier spricht ein Mensch davon, dass er sich von Gott gesehen und verstanden fühlt.               Vor Gott braucht man sich nicht zu verstecken oder zu verstellen.                                                                                                    Vor IHM kann man sein wie man ist.  Bei IHM sind und bleiben wir Unvergessen.                                                                            In dieser Gewissheit wünsche ich Ihnen noch einen schönen Sommer 

Pfarrer i.R. Ronald Smorodinzeff, Bismark