20.09.2026
Worte aus der Kirche zum 20.9.2026
Ich lade dich ein, mich auf einem Spaziergang zu begleiten: Wir sind mitten in einer Großstadt in einem Park.
Eichhörnchen klettern an Eichen und Platanen auf und ab, neben den Wegen blühen Blumen in allen Farben, Vögel zwitschern fröhlich. Wir gehen schmale Wege entlang. Ab und zu lädt eine Bank zum Verweilen ein. Daneben steht ein Brunnen mit frischem Wasser. Diese friedliche Oase ist kein gewöhnlicher Park, sondern ein Friedhof. An diesem Sonntag ist der Tag des Friedhofs. Das ist eine gute Gelegenheit, wieder einmal solch eine Oase in der Nähe oder Ferne zu besuchen!
Immer häufiger gibt es den Wunsch, im eigenen Garten bestattet zu werden oder im Meer verstreut. Wenn ich mit Schülern darüber rede, finden sie diese Ideen absurd. Dass alle Ahnen miteinander an einem Ort bestattet werden, wo man sie besuchen kann, ist ein schöner Gedanke. „Habt ihr Ideen, wie ihr mit euren Familien ein Gedenken an eure Vorfahren feiern könnt?“ Oja, die Jugend von heute ist kreativ. Man müsste ein Fest für die Toten feiern, wie es in Mexiko üblich ist: Día de los muertos.
Der ganze Friedhof sollte festlich geschmückt werden, nicht nur die einzelnen Gräber, als gäbe es einen Wettkampf um den Preis des gewissenhaftesten Angehörigen. Wenn alles fertig ist, soll sich die ganze Verwandtschaft zu einem Picknick am Grab treffen. Man könnte die Lieblingsspeise des Verstorbenen und alte Erinnerungen miteinander teilen. Oder man probiert das Lieblingsspiel oder Hobby der Ahnen aus.
Das Bestatten der Toten gehört zu den sieben Werken der Barmherzigkeit. Jesus selbst fordert sie von seinen Jüngern ein: Hungrige speisen und Durstige tränken, Fremde aufnehmen, Nackte kleiden, Kranke und Gefangene besuchen. „Was ihr für einen meiner Brüder oder eine meine Schwestern getan habt – und wenn sie noch so unbedeutend sind – das habt ihr mir getan.“ (Mt 25,40) Das siebente Werk, Tote bestatten, nennt Jesus nicht. Aber genau das wird seinen Anhängern wichtig. Sie bestatten ihren toten Jesus und bauen später über sein Grab eine Kirche. Die ist bis heute ein Erinnerungsort. Woran wird hier erinnert? An die fröhliche Hoffnung der Christen und an das leere Grab, an die Auferstehung der Toten und daran, dass man eines Tages vereint sein wird. Ein Fest auf dem Friedhof kann ein Vorgeschmack darauf sein.
Maria Eichenberg, Schulpfarrerin in Beetzendorf