23.11.2025
Worte aus der Kirche zum 23.11.2025

"Der ist jetzt im Himmel"

Als ich letztens zwei Schafe zum Schlachten gebracht habe, guckte die Enkeltochter des Schlachters zu, wie der kleine Bock starb. ‚Der ist jetzt im Schafhimmel‘, sagte der Opa.

‚Der ist jetzt im Himmel‘, - so versuchen wir Kinder zu trösten, wenn der Opa oder ein anderes Familienmitglied gestorben ist. Weil wir selbst hilflos sind und nichts anderes zu sagen haben. Doch wir wissen: eigentlich ist das nur ein Vertrösten auf ein Jenseits nach dem Tod.

‚Ewigkeitssonntag‘. Ich mag diesen Namen. Das ist mehr als ‚Totensonntag‘, mehr als das Gedenken an die Verstorbenen. So wichtig auch dies ist.

‚Ewigkeit‘: was schon immer da war, und jetzt da ist, und immer da sein wird. Unendlichkeit. Am besten Sie schauen einmal in der nächsten sternklaren Nacht zum Himmel. Dann bekommen Sie eine Ahnung von der ‚Ewigkeit‘. Begreifen werden Sie es nicht. Aber ahnen. Wenn Sie nicht nur Ihre Augen, sondern auch Ihr Herz öffnen, dann ahnen Sie, was ‚Ewigkeit‘ ist. Und dass diese einen Ursprung hat. In der Kirche nennen wir ihn den ‚Ewigen‘: von dem das Gänseblümchen im Garten und die Galaxien im Weltall stammen.

Wenn ich mich dafür öffne, sind meine Trauer um den geliebten Menschen und meine Angst vor der eigenen Vergänglichkeit nicht weggeblasen. Aber meine Trauer und meine Angst werden aufgefangen von diesem Größeren. Ich so werde nicht mehr so sehr davon bestimmt, muss diese Gefühle nicht mehr verdrängen. Es darf alles so sein, wie es ist. Weil alles dort seinen Platz hat.

Ich nehme an, das können Sie nachvollziehen. Auch wenn Sie nicht kirchlich sind. Dieser Trost gilt für jeden, der sich dafür öffnet.

Christlicher Glaube geht noch einen Schritt weiter: ich entscheide mich dafür, diesem Ewigen zu vertrauen. Darauf zu vertrauen, dass er, der Ursprung aller Dinge, mich und jeden Menschen auf dieser Erde mit Namen kennt. Und liebt. Ich gebe zu, das ist eigentlich unglaublich. Das kann nach unserer Logik doch gar nicht sein. Doch bei vielen unserer Vorfahren hat sich dies Vertrauen bewährt. Auch in Zeiten, wo es keinen Trost und keinen Grund zur Hoffnung gab. Bei ihm, dem Ewigen, in seiner Liebe, war Raum für alles Schöne und für alles Schreckliche, für das Leben und für den Tod, für die Lebenden und die Toten.

Vielleicht überlegen Sie einmal, ob dieses Vertrauen sich lohnen könnte für Ihr Leben. Nicht die Vertröstung auf ein Jenseits, sondern das Vertrauen in diese ewige, unerschütterliche Liebe.

Vor ihm Ausbreiten: meine Trauer und meine Ängste; meine Fragen und meine Zweifel; alles, was mir zu schaffen macht. Dafür oder dagegen können Sie sich entscheiden. Oder einfach einmal ausprobieren.

Gerne komme ich mit Ihnen über dieses Thema ins Gespräch: 03902-327 oder kirche-diesdorf@t-online.de

Pfarrer Ulrich Storck, Diesdorf