23.08.2026
Worte aus der Kirche zum 23.8.2026

T-Time

Ein wichtiger Bestandteil der britischen Alltagskultur ist die Teatime, zu Deutsch: die Teezeit. Teatime ist am Nachmittag zwischen 15.00 Uhr und 17.00 Uhr. Natürlich wird Tee getrunken. Dazu können, je nach Familien- oder auch regionaler Tradition, verschiedene Keks- oder Kuchenspezialitäten verzehrt werden, „Scones“ zum Beispiel unter einem Häubchen aus extra fetter Sahne, der „clotted Cream“. Wie die täglichen Hauptmahlzeiten ist die Teatime eine tägliche Pausenzeit und ein Treffpunkt, eine Zeit der Entspannung und des Austausches. Sprachspielerisch veranlagte Menschen hören in „Tea-time“ beziehungsweise „Tee-zeit“ überdeutlich den Namen des 20. Buchstabens unseres Alphabets, nämlich des „Ts“: „T-Time“ beziehungsweise „T-Zeit“ – eine „Time“ beziehungsweise „Zeit“ mit und für das T… Das T zieht sich als Symbol durch die Geschichte des Christentums. Unter anderem wird dieses T-„Kreuz“ „Antoniterkreuz“ genannt. Es war das Erkennungszeichen der Antonitermönche und ist noch heute das der Franziskanernonnen und -mönche. Die Antoniter hatten sich vor allem der Krankenpflege verschrieben. Manch einer hielt ihr T-Kreuz deswegen für eine stilisierte Krücke.  In sprachlicher Hinsicht fragwürdig, aber trotzdem schön ist die Erklärung, das T-Kreuz stehe für „Theos“, das griechische Wort für „Gott“. So gesehen wäre rund um die Uhr, 24/7, unser ganzes Leben eine „T-Time“, eine Zeit mit Gott. Denn weil er es wollte, wurden wir geboren. Weil er es will, leben wir. Wenn er es will, kehren wir zu ihm zurück. Das Kreuz (ob nun in T- oder der eher normalen Form) ist das Zeichen seiner hingebungsvollen Liebe zu uns. Wie oft uns Gott wohl stützt und unsere Schritte überhaupt erst möglich macht, unsere Gehhilfe (altertümlich: „Krücke“) ist? Gott scheint ja eher im Verborgenen zu arbeiten. Mancher will noch nie bemerkt haben, wie Gott ihm hilft, stützt und voranbringt, also auch nicht, dass unser ganzes Leben eine T-Time, eine Zeit mit Gott ist. Das liegt vielleicht daran, dass Gott von Herzen will, dass wir keine „Hilfsbedürftigen“ sind, sondern dass uns einfach so geholfen ist. Damit wir uns frei und unabhängig fühlen können, scheint Gott es in Kauf zu nehmen, dass so mancher nichts von ihm wissen will. Zum Glück stößt Gott aber auch auf Gegenliebe.  Das passiert immer dann, wenn wieder jemand begreifen konnte: Unser ganzes Leben ist T-Time, Gotteszeit.

Pfarrer Ralf Euker, Stendal