28.12.2025
Worte aus der Kirche zum 28.12.2025

Christrosen – Es gibt sie – Blumen, die mitten im Winter blühen. Christrosen zum Beispiel. Eine davon steht im Garten hinter meinem Pfarrhaus.

Und in jedem Dezember bewundere ich die kleine unscheinbare Pflanze. Ich bewundere sie, weil sie es schafft, mitten im Winter zu blühen. Erstaunlich, wie sie sich gegen das Dunkel und die Kälte durchsetzt und Blätter und Blüten treibt. Sicher gibt es eine wissenschaftliche Erklärung dafür – so wie für fast alles -, aber ich bin kein Botaniker. Deshalb ist und bleibt diese Pflanze für mich ein Wunder. Und das ist gut so. Denn nur so ist sie für mich ein Zeichen der Hoffnung: Kälte und Dunkelheit werden irgendwann wieder ein Ende haben. Frost und Winter werden sich zurückziehen. Sie werden dem Licht Platz machen. Die Sonne, die monatelang verhangen war, wird wieder durchdringen, und neues Leben wird sich wieder entfalten.

In der Kälte unserer kaputten Welt brauchen wir solche Zeichen der Hoffnung – gerade auch in diesen Zeiten. Wir brauchen nur die Nachrichten zu lesen: Unsere Welt ist nicht so, wie sie sein sollte. Übrigens: Oftmals auch unsere kleine Welt zu Hause nicht. Auch da ist es oft kalt und leer.

Manchmal, da wünsche ich mir, daß gegen die Kälte unserer Welt ein Kraut gewachsen wäre. Eine Pflanze, die uns zeigt, daß diese Kälte nicht ewig andauert. Eine Pflanze, die uns endlich die Erlösung bringt, die uns den Weg weist zu Frieden und zu einem guten Miteinander in der Welt.

Vielleicht ist diese Pflanze aber schon längst gewachsen? Das alte Weihnachtslied „Es ist ein Ros entsprungen“ erzählt davon: „Das Blümelein so kleine, das duftet uns so süß; mit seinem hellen Scheine vertreibt’s die Finsternis. Wahr’ Mensch und wahrer Gott, hilft uns aus allem leide, rettet von Sünd und Tod.“

Gott bedient sich des Kleinen, des unscheinbaren, ja auch des Widerständigen, um sein Reich aufzurichten. Die ganze Heilige Schrift erzählt davon. Und erst recht die Weihnachtsgeschichte. Da ist nichts heil. Maria und Josef waren Flüchtlinge. Das Kind wurde in großer Armut geboren. Aber es hat die ganze Welt verändert.

Gott hat entschieden, sein Reich zu bauen mit dem, was nach unseren menschlichen Maßstäben gemessen nicht perfekt ist. Und genau das ist unsere Hoffnung, denn jetzt wissen wir: Auch wir müssen nicht perfekt sein.

Daß wir besonders in diesen Weihnachtstagen Zeichen dieser Hoffnung entdecken mögen – gegen die Kälte, gegen Krankheit, Größenwahn und Machtbesessenheit in der Welt -, das wünsche ich uns allen in diesen Weihnachtstagen.

Jens Födisch