30.08.2026
Worte aus der Kirche zum 30.8.2026
„Hilfe! Ist da jemand?“
Ich bin zu Fuß im Ort unterwegs, als ich an einem Hoftor vorbeikomme und den Hilferuf vernehme. Also bleibe ich stehen. Sehen kann ich nichts. Etwas zögerlich rufe ich zurück.
Schnell stellt sich heraus, dass da jemand gefallen ist und allein nicht wieder auf die Beine kommt. Tor und Tür sind abgeschlossen und für meine Kletterkünste viel zu hoch. Ich versuche es beim Nachbarn. Keiner reagiert auf mein Klingeln. Da jedoch kommt eine Frau von gegenüber hinzu. Umsichtig hält sie Kontakt mit der um Hilfe rufenden Person, währenddessen ich in der Nachbarschaft eine Leiter organisiere. Beherzt steige ich diese hoch und stehe etwas wackelig auf der Torkante. Einfach runterspringen ist keine gute Idee. Irgendwie schaffe ich es, mich hinunterzulassen. Gott sei Dank, der Frau, die zitternd dasitzt und an der Nase blutet, geht es so weit gut. Mittels Schlüssel öffne ich die Tür und gemeinsam bugsieren wir sie ins Haus.
Im Evangelium für diesen Sonntag erzählt Jesus die Geschichte vom barmherzigen Samariter (Lukas 10,25-37). Es ist eines der bekanntesten Gleichnisse für Nächstenliebe.
Ich kenne diese Geschichte bereits aus Kindertagen und sie bestimmt mein Denken und Handeln. So habe ich mal nachts am Bahnhof einem frierenden Ausländer meinen dicken Strickpullover geschenkt. Oder, da kein Bus mehr fuhr, einen jungen Gastarbeiter aus Usbekistan, der zu Fuß mit seinem großen Rollkoffer Richtung Stendal unterwegs war, zum Zug gefahren. Ich bin bei einem Gemeindemitglied auf dem vom Waschbären okkupierten Dachboden rumgeklettert, um im Stromkasten die Sicherungen zu wechseln. Habe auch schon einmal einem Obdachlosen für einige Tage Unterschlupf im Pfarrhaus gewährt.
"Christus spricht: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan." Matthäus 25,40b. Hinsichtlich manch riskanter Situation beim Helfen danke ich Gott, dass er mich bewahrte, aber auch über meine Bedenken hinauswachsen ließ. Die Not anderer Menschen lässt mich nicht unberührt. Ich versuche nach meinen Möglichkeiten zu helfen, auch wenn es mir schon Nachteile eingebracht hat. Und wer weiß, wo ich das nächste Mal nach Hilfe rufe.
Pfarrerin Janette Obara aus Arneburg