04.10.2026
Worte aus der Kirche zum 4.10.2026

Dienstag, 8.00 Uhr, Dienstberatung.

Wir halten kurz inne. Zwischen Dienstplan und Hausbesuch, zwischen Dokumention und Übergabe nehmen wir uns ein paar Minuten Zeit. Erntedank im Hospiz. Das Fest der Fülle, feiern wir an einem Ort, an dem man das Loslassen kennt wie kaum anderswo anders.

Wer im Hospiz arbeitet, weiß: Ernte sieht bei uns oft anders aus. Sie besteht aus einem Lächeln am Morgen, einem Gespräch, das noch möglich war, einer Hand, die gehalten wurde, einem versöhnten Wort zwischen Vater und Tochter.

Diese Momente zu würdigen ist für mich auch ein kleines Erntedankfest. Täglich bekommen wir Lebensgeschichten anvertraut, Vertrauen von Menschen, die wir eben noch gar nicht kannten. Das ist Gabe, kein Besitz. Und wie jede Ernte ist sie nicht festzuhalten. Sie will gewürdigt, geteilt und dankbar angenommen werden.

Im Psalm 90 heißt es: „Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden." Klug werden heißt hier wohl: dankbar werden. Wer um die Endlichkeit weiß, sieht den einzelnen Tag, die Tasse Tee, das Licht im Zimmer mit anderen Augen.

 

Vielleicht fragen wir uns heute:

Was durfte ich in diesem Jahr ernten, an Begegnungen, Kraft, Menschlichkeit?

Wofür bin ich Kolleginnen und Kollegen dankbar?

Was darf ich an diesem Erntedank auch loslassen und abgeben? Besinnung am morgen, ein tägliches kleines Erntedankfest.

 

Das Leben auf diese Art zu feiern fällt mal mehr, mal weniger leicht.

Auch die Müdigkeit gehört zur Ernte. Wer erntet, ist erschöpft, und das ist ehrenwert.

 

Gott, ich danke dir für dieses Jahr:

für die Menschen, die wir begleiten durften,

für Worte, die getröstet haben, und für Schweigen, das getragen hat.

Für die Gemeinschaft im Team,

für Lachen mitten im Ernst,

und für Kraft, die nicht aus uns selbst kam.

Was wir nicht verstehen, legen wir in deine Hände.

Segne die, die bei uns wohnen, und die, die sie lieben.

Segne auch uns, damit wir Halt geben können und selbst gehalten sind.

Amen.