06.09.2026
Worte aus der Kirche zum 6.9.2026
Liebe Leserinnen und liebe Leser,haben Sie schon über die neuen Euro-Banknoten abgestimmt?
Sind Sie eher für die Themenreihe „Europäische Kultur“ oder „Flüsse und Vögel“? Auch wenn ich stolzer Hühnerbesitzer bin (aber Skandal: Hühner sind bei der Vogelreihe nicht dabei!), tendiere ich zum Kulturthema.
Auf diesen Scheinen sollen berühmte europäische Persönlichkeiten abgebildet sein. Beim 200-Euro-Schein komme ich ins Stocken: Bertha von Suttner. Eine österreichische Schriftstellerin, lese ich nach. Sommer ist Lesezeit. Also bestelle ich ihr bekanntestes Buch: „Die Waffen nieder!“ von 1889.
Der Titel ist Programm. Bertha von Suttner beschreibt die Grausamkeit und den Irrwitz des Krieges. Sie zeigt, wie mit Worten wie „Ehre“ und „Nationalstolz“ Hass auf andere Menschen und Völker angefacht wird – und wie am Ende Millionen Menschen darunter leiden.
Fast 140 Jahre später höre ich wieder davon: Deutschland soll wieder stolz auf sich selbst sein: „Schwarz-rot-gold statt Regenbogen!“ Und ich frage mich: Warum eigentlich „statt“? Geht das eine nicht zusammen mit dem anderen?
Ich wundere mich, wie man gegen den Regenbogen so hetzen kann. Freut sich nicht jeder, der ihn am Himmel entdeckt?
In der Bibel erscheint er nach der großen Flut als Zeichen von Gottes Bund mit Noah, mit den Menschen und mit der ganzen Schöpfung. Gott verspricht: Nie wieder soll eine Flut alles Leben vernichten. Und dann passiert es: Gott nagelt seinen Bogen an die Himmelswand. Aus dem Kriegsbogen wird ein Zeichen des Friedens.
Wenn ich einen Regenbogen sehe, denke ich deshalb an diesen eindringlichen Satz: Die Waffen nieder!
Und ich füge hinzu: Schluss mit dem Hass!
Pfarrer Alexander Tiedemann
aus der St. Marien Kirchengemeinde Salzwedel