07.06.2026
Worte aus der Kirche zum 7.6.2026
Kirche Jesu Christi! Nicht „deutsche Christen“!
Was macht mich zu einem Christenmenschen und Kirchenmitglied? Ist es das Auftauchen meines Namens im Gemeinderegister der Kirche? Ist es die aktive Teilnahme an den Gottesdiensten und am Gemeindeleben? Bin ich ein Christenmensch und Kirchenmitglied, wenn ich in den Kirchensteuerlisten des Staates auftauche? Aber die Kirchensteuern sind ja nur ein „Abfallprodukt“ der staatlichen Steuererhebung, für das die Kirchen bezahlen. Oder muss ich erst meine Loyalität gegenüber dem Staat bekräftigen, bevor ich Christ sein darf? Erst Treue, dann Glaubensfreiheit? In der Bibel heißt es: Darum: Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Schöpfung; das Alte ist vergangen, siehe, es ist alles neu geworden! (2. Kor 5,17). Mein Seelenheil hängt nicht an der Staatsbürgerschaft, sondern allein an der Taufe und dem gelebten Glauben. Und die Person, um die sich alles dreht, heiß Jesus Christus. Kein Präsident, König oder Regierungschef! Kein selbsternannter Messias, Prophet oder Heilsbringer! Aber wer ist denn dieser Jesus Christus? Er gehörte weder einer christlichen Konfession an, noch war er Deutscher. Er hat nicht deutsch gesprochen oder englisch oder russisch, sondern allein aramäisch, griechisch und hebräisch. Jesus war Jude und lebte im Römischen Reich seiner Zeit. Kein Volk und keine Nation kann deshalb heute Jesus Christus für sich allein beanspruchen. Nicht in den USA, nicht in Russland, nicht in Deutschland, nicht im Nahen Osten, nicht im Vatikan oder in irgendeinem anderen Land. Jesus Christus ist der Herr und das Haupt der weltweiten Kirche und in Jesu Augen sind alle Menschen potenzielle Schwestern und Brüder, denen mit Liebe, Toleranz und Verständnis zu begegnen ist. Die ersten Jünger zogen deshalb aus in alle Welt und erzählten von diesem Jesus Christus. So wuchs die christliche Kirche zur weltweiten Kirche. Sie wuchst zu der Eine(n), heilige(n), allgemeine(n) und apostolische(n) Kirche, wie es im Glaubensbekenntnis von Nizäa-Konstantinopel heißt. „Eine“ Kirche, weil sich letztlich alle christlichen Konfessionen auf Jesus Christus beziehen. Eine „heilige“ Kirche, weil sie durch Wort und Sakrament geheiligt wird, und nicht durch Staatszugehörigkeit, Volk oder Sprache. Eine „allgemeine“ Kirche, weil sie offen ist für alle Menschen aus jedem Volk. Für Alfredo aus Chile ebenso, wie für Siahaan aus Indonesien, Karen-Lisbeth aus Dänemark oder Rainer aus Süd-Afrika. Und dabei gibt es nicht 1. und 2.Klasse Christen. Eine „apostolische“ Kirche, weil aus der Tradition der Apostel die christlichen Kirchenväter und Theologen aller Länder hervorgewachsen sind. Ein internationaler Chor von Christusgläubigen ist die Kirche. Und deshalb schätze ich mich glücklich ein Teil der Kirche Jesu Christi zu sein. Die Kirche „deutscher“ denken zu wollen ist daher ein Ding der Unmöglichkeit.
Pfarrer Stefan Kemper-Kohlhase, Kläden