08.03.2026
Worte aus der Kirche zum 8.3.2026

Am Sonntag ist Weltfrauentag. Er erinnert uns daran, wie Frauen vor mehr als hundert Jahren begannen, für Gleichberechtigung zu kämpfen.

Heute wählen Frauen wie Männer, arbeiten wie Männer und ernähren mit ihrem Lohn ihre Familie. Dadurch haben Frauen weniger Zeit als früher für die Hausarbeit. Das übernehmen technische Geräte oder ihre Partner. Ich koche, wasche und putze nicht öfter als mein Mann.

Auch in den Kirchengemeinden haben Frauen verantwortungsvolle Posten erobert. In Gottesdiensten und Vorständen engagieren sich viele Frauen, wo es doch früher Zusammenkünfte der wichtigen Männer des Dorfes waren. Frauen brachten derweil der nächsten Generation bei, wie man ein Gebet spricht und ein Lied im Gesangbuch aufschlägt, wie man sich für den Feiertag angemessen kleidet und wie man eine Hochzeitsgirlande wickelt.

Werte werden aber nicht nur an Kinder weitergegeben. Auch junge Eltern brauchen Orientierung. So weisen die ersten Christen Frauen, deren Kinder aus dem Haus sind, auf eine wichtige Aufgabe hin: „Es gilt für die älteren Frauen: Sie sollen sich ebenfalls [wie die Männer!] würdevoll verhalten, andere nicht verleumden und nicht dem Wein verfallen sein. Sie sollen fähig sein, Gutes zu lehren. Dann können sie die jungen Frauen anleiten, ihre Männer und Kinder zu lieben. Sie sollen sie lehren.“ (Tit 2,3ff.) Es folgt, was ältere Frauen den jüngeren beibringen sollen. Diese Werte der römischen Gesellschaft des zweiten Jahrhunderts teilen wir heute nicht. Aber die Lebenswahrheit hinter solchen Aufrufen lautet: Junge Frauen brauchen das Vorbild und den Zuspruch älterer Frauen. Junge Frauen brauchen Mütter und Schwiegermütter, Tanten und Kolleginnen zur Orientierung, zur Ermutigung, um ihre Sorgen loszuwerden und manchmal auch als tatkräftige Hilfe.

Viele Jahre haben Frauen darauf geschaut, wie sie ihren eigenen Mann stehen können. Es wird Zeit, darüber zu sprechen, wie Frauen als Frau leben können. Frauen haben Unpässlichkeiten, die in Schule oder Beruf keine Rolle spielen dürfen. Frauen bekommen keinen Mutterschutz bei frühem Schwangerschaftsverlust. Frauen kümmern sich um die kranken Schwiegereltern und wollen ihren alleinerziehenden Töchtern beistehen, aber trauen sich nicht, auf Arbeit Teilzeit anzumelden. Wie kann man gleichberechtigt als Frau leben?  

Mädchen sind keine Jungs, Frauen sind keine Männer. Manchmal fühlt man sich im falschen Körper, auch das ist wahr – und genau das heißt, dass Frauen ihren Fokus auf andere Dinge legen als Männer. Diesen Fokus gilt es zu stärken, zugleich unsere Männer in die Verantwortung zu nehmen, Frauen entweder den Rücken freizuhalten oder sich (nach dem Kochen) in der Weitergabe unserer Werte an die nächste Generation zu engagieren.

Maria Eichenberg,
Schulpfarrerin im Kirchenkreis Salzwedel