09.08.2026
Worte aus der Kirche zum 9.8.2026

Die evangelische Kirche begeht morgen den Sonntag des „Israelgedenkens.“ Eine in mehrerlei Hinsicht problembelastete Tradition. 

Bis 1945 wurde auch der christliche Hochmut über die Juden gefeiert. Nährboden für einen menschenverachtenden Antisemitismus. Erst in den letzten Jahrzehnten sind sich die christlichen Kirchen dieser judenfeindlichen Prägungen bewusst geworden. „Besinnung auf unsere jüdischen Wurzeln“ und der jüdisch-christliche Dialog stehen heute im Zentrum dieses Sonntags. Maximal wichtig in einer Zeit, in der Geschichtsvergessenheit oder bewusste Klitterung einem neuen Antisemitismus Raum geben. Das bislang „Undenkbare“ wird wieder sagbar. Schamlos werden Grenzen überschritten, wie jüngst der Kabarettist Uwe Steimle unter Beweis gestellt hat.

SIM 017, so lautet das Saisonkennzeichen für die „Schwalbe“ eines Freundes.

SIM für Simson, der legendäre Markenname für eine Serie von Mopeds, gebaut in der DDR im thüringischen Suhl. Simson, weil die Gründer des Fahrzeugwerkes dort so hießen: Die Brüder Moses und Loeb Simson. 1936 von den Nazis enteignet, flieht die jüdische Familie in die USA.

„Simson“ ist auch eine Figur aus dem Alten Testament. Seine Legende wird in den „Richter-Büchern“ erzählt. Ein Typ mit Bärenkräften und Schönheit gesegnet. Er allein hält die Feinde Israels in Schach, hat eine besondere Beziehung zu Gott. Kraft und Schönheit, all das haben die Konstrukteure der Simson-Werke auf ihre Kleinkrafträder übertragen. Schwalbe, Spatz, Star, Habicht, S51. 2 Takte, 60 km/h schnell, leicht zu reparieren und früher für einen schmalen Taler zu haben. Diese Mopeds haben die DDR überlebt wie nur wenige ostdeutsche Produkte. Bis heute begehrt und mit Kultstatus.

Die „Simmis“ zeugen vom Stolz der Menschen auf ihre Geschichte, von Suhl über Stendal bis Schwerin. Rechte Rattenfänger wollen das ausnutzen, lassen sich auf diesen Mopeds ablichten. Sie wollen kein Volk schützen, sondern es auseinander-treiben und sie säen Hass zwischen Menschen.

Die Nachfahren der Gründerfamilie haben sich aus den USA zu Wort gemeldet. Einer ist sogar kürzlich nach Thüringen gereist. Die Familie protestiert dagegen, dass ihr Name mit rechten, menschenfeindlichen Extremisten in Verbindung gebracht wird. Beleidigend sei das angesichts ihrer Familiengeschichte. Eine wichtige Äußerung, auch wenn sie vielleicht wenig ändert. Du kannst Menschenfeinden nicht verbieten, sich auf Mopeds mit dem Namen eines Helden des Alten Israel zu schwingen. Der biblische Simson wird eines Tages von seinen Feinden überwältigt. Durch schamlosen Betrug. Doch es rächt sich. Das Lügengebäude bricht zusammen. Gott behält recht und er spricht: „Mein Wort kehrt nicht leer zu mir zurück. Es wird tun, wozu ich es sende.“

Michael Kleemann, Superintendent KK Stendal