04.08.2026
Statement des Evangelischen Hospiz Stendal
Leben bis zuletzt
Vor 80 Jahren kamen die Diakonissen des Adelberdt-Diakonissen Mutterhauses in Kraschnitz als Geflüchtete in Stendal an. Wie mögen Sie sich als Fremde an diesem Ort gefühlt haben? Wie haben wohl die Stendaler auf Sie reagiert? Es war sicher nicht immer einfach in den Anfängen des Miteinanders, viele Vorurteile galt es zu überwinden, aber doch wurden die Schwestern, die sich aufopferungsvoll um die Patienten des Stendaler Krankenhauses kümmerten, angenommen und geschätzt. Sie waren es, die unter schwierigen Umständen die Verantwortung für ein verwaistes Krankenhaus übernommen haben.
Nach und nach legten „die Fremden“ die Grundsteine unserer heutigen Arbeit. Getragen wurden die Diakonissen von ihrem christlichen Glauben und Werten, die bis heute wichtig sind: Solidarität und Menschenwürde. In der Bibel wird wiederholt darauf verwiesen, Migranten, Witwen, Frauen, Waisen und arme Menschen in ihrer Notlage zu unterstützen. Jesus wendet sich Menschen zu, die aufgrund von Erkrankung, Behinderung, Herkunft, Kultur, Sprache oder Religion am Rande der Gesellschaft leben müssen.
Wir stehen in der Tradition der Kraschnitzer/Stendaler Diakonissen und wenden uns als Mitarbeitende des Hospizdienstes Tag für Tag Menschen in schwierigen Lebenssituationen zu. Wir begleiten schwer erkrankte, sterbende Menschen und ihre Angehörigen. Wir sind da, wo Menschen besonders verletzlich sind. Wir sind für Menschen da, die Hilfe brauchen – unabhängig von Herkunft, Religion, politischer Haltung, Geschlecht, Sexualität oder sozialem Status.
Als Teil der Diakonie steht unser Hospizdienst für Solidarität und den Schutz besonders verletzlicher Personen. Dazu bedarf es einer Kultur des freundlichen Umgangs miteinander, der Akzeptanz verschiedener Lebensentwürfe und Kulturen.
Bei der Wahlentscheidung am 6. September geht es also auch darum, wie frei wir unser tägliches Wirken in der Tradition der Diakonissen des Mutterhauses fortsetzen können. Für diese Diakonissen von 1946 mit ihren Erfahrungen aus Diktatur, Krieg und Vertreibung wäre die nun in 2026 zu treffende Wahl wohl klar.
Alle Wählerinnen und Wähler sind gefragt, nicht nur ihrer Zufriedenheit oder Unzufriedenheit mit der aktuellen Politik im Kleinen Ausdruck zu verleihen, sondern sich aktiv und grundlegend für Demokratie, Menschenwürde und Nächstenliebe zu entscheiden. Machen Sie bei den Landtagswahlen von ihrem Wahlrecht Gebrauch.
Lassen Sie uns gemeinsam zuversichtlich sein, dass möglichst viele Menschen in unserem Bundesland den Wert von Demokratie und Nächstenliebe voranstellen!
Pfarrerin Rebekka Prozell, Vorstand
Jens Burckhardt, Vorsitzendes des Kuratoriums
Evangelisches Hospiz Stendal
Stiftung Adelberdt-Diakonissen-Mutterhaus
Karl-Wernecke-Straße 6 | Bergstraße 26
39576 Hansestadt Stendal