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Michael Kleemann, Superintendent
Michael Kleemann,
Superintendent

„Es ist Dir gesagt Mensch…“ Micha 6,8

Die christlichen Kirchen sind in diesen Wochen vor der Landtagswahl kräftig herausgefordert in unserem Land: wie und wo beziehen wir angemessen Stellung, angesichts der drängenden Zeitfragen. Pro und Contra beim Thema Zuwanderung, zum Krieg in der Ukraine oder im Nahen Osten, das Verhältnis zu Russland oder den USA, Klimawandel und Bewahrung der Schöpfung, der Rechtsruck in unserer Gesellschaft, die Verrohung des Miteinanders, der wachsende Antisemitismus. Menschen, die hier klar Position beziehen, ob Politiker oder kirchlich Engagierte werden schnell zur Zielscheibe medialer Beschimpfung.

„Nächstenliebe verlangt Klarheit!“, so das Motto unserer Kirche gegen jede Form von Extremismus. Oder etwas provokanter: „Unser Kreuz hat keine Haken!“ Wer sich in dieser Weise positioniert, ist für manch anderen unbequem.

Die biblische Botschaft kommt oft markig daher. So zu lesen beim Propheten Micha im Alten Testament: „Es ist dir gesagt Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert; nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor Deinem Gott.“ Wenn ich den Propheten richtig verstanden habe, dann geht es ihm nicht um schlichte Gottgefälligkeit! Sein göttlicher Auftrag ist es, denen Unheil anzusagen, die bewusst das Gegenteil von Gottes Gesetz leben und sein Wort missachten. Also auch für uns Christen ist die besondere Herausforderung, auf der richtigen Seite zu stehen.

Von Jesus wissen wir, wo unser Platz ist: bei den Schwachen und Schutzbedürftigen, den Ausgegrenzten zuerst und nicht bei den Demokratiefeinden und Hasspredigern. Es darf uns dabei entlasten, dass auch der Prophet Micha etwas vom Scheitern menschlicher Vorsätze und Bemühungen zu wissen scheint und dass er Gott als menschen- und fehlerfreundlichen Herrn predigt.

Nein, Christen sind nicht automatisch die besseren Menschen, aber sie sollten wissen, worauf es im Leben wirklich ankommt. Zwischen Gottes Anspruch und Zuspruch; zwischen „es ist dir gesagt Mensch, was der Herr von dir fordert“ und „Wo ist solch ein Gott, wie du bist?“. So sagt es der Prophet Micha an anderer Stelle (Micha 7,18): „Der die Sünde vergibt und erlässt Schuld, der an seinem Zorn nicht festhält, denn er ist ein barmherziger Gott!“

Wählen ist die erste Bürger- und Christenpflicht! Denn es ist dir gesagt Mensch, was gut ist und was dem Leben dient! Oder mit dem Kabarettisten Hagen Rether gesprochen: „Wählen ist wie Zähneputzen; wenn man es nicht macht, wird es braun!“

Michael Kleemann, Superintendent