02.08.2023
Was ist Ihnen wirklich wichtig im Leben?

Würden Sie alles auf eine Karte setzen und alles zu Geld machen um eine einzige kostbare Perle zu erwerben?

Jesus erzählt gerne in Gleichnissen. An diesem Sonntag steht das Gleichnis von der Perle im Acker als Evangelium Matthäus 13 im Mittelpunkt.


„Einmal kamen Menschen zu Jesus.
Sie fragten:
Was ist das Himmelreich?
Jesus erzählte ihnen eine Geschichte:
Das Himmelreich ist wie ein Schatz,
der in einem Acker verborgen ist.
Ein Mensch entdeckt den Schatz.
Er erzählt aber niemandem davon,
was er gefunden hat.
Er hält seine Entdeckung noch geheim.
Voll Freude geht er hin,
verkauft alles, was er besitzt.
Vom Erlös aber kauft er den Acker.“

Das Gleichnis der kostbaren Perle ist in dieser Hinsicht noch überraschender und herausfordernder. Oberflächlich betrachtet scheint hier nicht viel zu geschehen, was nicht schon im ersten Gleichnis deutlich wurde. In beiden Gleichnissen verkauft der Suchende all seinen Besitz, um den Preis zu erhalten. Im Gleichnis von der Perle gibt es aber ein wichtiges Detail. Der Händler handelt auf eine irrationale Weise, die einer Erklärung bedarf. Im Gegensatz zum ersten Gleichnis verkauft er nicht alles, um etwas zu erstehen, das noch größeren Wert hat. Im Gegenteil: Der Händler verkauft alles, wahrscheinlich auch die Perlen, die sich möglicherweise in seinem Besitz befinden, um diese eine Perle zu kaufen. Das ist kein gutes Geschäft. Sein Vorgehen zeigt, dass er nicht wegen des Geldes im Perlengeschäft ist, sondern wegen der Perlen – und nun hat er die Perle gefunden. Er erscheint nicht wirklich als Händler, sondern eher als Perlensammler, der allein danach strebt, diese eine Perle zu besitzen. Warum verkaufte er alles, um der Besitzer einer einzigen Perle zu sein? Er liebte diese Perle und hatte Freude an ihr. Das ist das Besondere an diesem Gleichnis: Ironischerweise ist der Händler scheinbar weniger von Geld motiviert als der Feldarbeiter, denn der Händler opfert alles – nicht in der Hoffnung auf ein größeres Einkommen, sondern für die Freude, die Perle zu besitzen.

Diese Gleichnisse fordern uns heraus, uns über unsere Liebe für das Reich der Himmel Gedanken zu machen. Wenn Jesus über den Schatz im Acker spricht, will er, dass wir überdenken, was wir wirklich wertschätzen. Rechnen wir richtig, wenn es um die Dinge dieser und der nächsten Welt geht? Würden wir alle weltlichen Güter aufgeben, um etwas unendlich Besseres zu erhalten? Die kostbare Perle stellt uns vor eine noch schwierigere Frage: Entspringt unser Opfer wirklich der reinen Liebe für das Reich der Himmel? Das Gleichnis vom Schatz hinterfragt unsere Vision und unsere Werte: Verstehen wir, dass das Reich der Himmel mehr ist? Das Gleichnis von der Perle geht noch tiefer, weil es unser Herz und unseren Willen anspricht: Verstehen wir, dass das Reich der Himmel alles ist? Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag.

Ihr Joachim Thurn

Pfarrer in St. Georg Salzwedel