12.09.2021
Das Wort zum Sonntag vom 12.09.2021

Hinschmeißen!

Haben Sie schon einmal etwas hingeschmissen? Nicht etwas, das einem aus der Hand fällt meine ich. Etwas, was wir satt haben und los sein wollen, schmeißen wir hin und drücke damit aus: Das ist mir zu viel, das will ich los sein!

Erstaunlicherweise kommt dieses Wort in der Bibel vor, und zwar in einer Aufforderung. Wir dürfen etwas hinschmeißen: alle unsere Sorgen! Nun werden Sie fragen, was bessert das, sie sind ja trotzdem da. Die Menschen, die Verhältnisse, die uns beschweren, Zustände in unserm Land und in der Welt, die uns unruhig machen, können wir nicht einfach verdrängen. Hören wir einmal den ganzen Satz aus dem ersten Petrusbrief, Kapitel 5, Vers 7: „Alle eure Sorge werft auf ihn, denn er sorgt für euch!“ Nicht irgendwohin sollen wir unsere Sorgen werden, sondern auf Gott. Da ist natürlich die Frage, wie man das machen kann. Es hilft zuerst einmal, sich die Sorgen klarzumachen und zu benennen. Ist das geschehen, können wir sie zu Gott bringen. Martin Luther sagt, wir dürfen ihn bitten wie die lieben Kinder ihren lieben Vater. Ein guter Vater oder eine gute Mutter bekommt mit, wo der Schuh drückt. So dürfen wir vor Gott aussprechen was uns Sorgen macht. Etwa: „Herr, ich bringe dir, den oder die oder diese Situation…. Ich werfe die Soge auf dich. Nimm sie von mir weg und kümmere du dich darum!“ Und wenn die Sorgen wiederkommen, können wir die Bitte wiederholen: Herr, kümmere du dich!

In einem alten Lied heißt es: „Ihr Sorgen weicht, lasst mich in Ruh, denn Gott will für mich sorgen. Schickt er mir heute gleich nichts zu, vielleicht geschieht‘s dann morgen. Und wenn es morgen nicht geschieht, es gibt ja noch mehr Tage. Und er, der weiß, was mir geschieht, der hört auch, wenn ich klage.“ Dieses Lied haben Flüchtlinge gesungen, die wegen ihres Glaubens aus ihrer Heimat vertrieben wurden und nicht wussten, wo sie künftig eine Bleibe finden würden. Sie haben damit ihr Vertrauen zu Gott angesichts schwerster Sorgen ausgesprochen. Wir können das auch tun – die Sorgen auf Ihn werfen, damit wir sie los sind und Er sich kümmert. Eine Frau erzählte einmal, sie hat in ihrem Zimmer eine Ecke mit einem Kreuz, wo sie betet. Wenn sie Sorgen hatte, schrieb sie die auf einen Zettel, knüllte ihn zusammen und warf ihn in die Ecke: Herr, ich werfe jetzt meine Sorgen auf dich, wie dein Wort sagt: „Alle eure Sorge werft auf ihn, denn er sorgt für euch.“ Nach ein paar Monaten suchte sie die Zettel zusammen und las noch einmal, was darauf stand. Und sie erzählte: Alles hatte sich erledigt! Weg damit!

Das ist eine Anregung für uns. Wir sind eingeladen, die Aufforderung für unser Leben zu nutzen und davon zu profitieren. Nutzen wir sie!

Dr. Tobias Eichenberg, Stendal