13.03.2023
Ein Ziel vor den Augen.

„Wer die Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.“

Der zitierte Vers aus dem Lukas-Evangelium ist der Wochenspruch am dritten Sonntag der Passionszeit mit dem opulenten Namen „Okuli“ („Meine Augen sehen stets auf den Herrn...“, aus Psalm 25). Wir haben als Christinnen und Christen einen klaren Auftrag in dieser Welt, nämlich am Reich Gottes mitzuarbeiten, es vorwärts zu treiben. Diesen Auftrag sollten wir ernst nehmen. Doch, wie sieht es dabei mit unserer „Blickrichtung“ aus? In meiner Wirklichkeit begegnen mir die „ewig Gestrigen“, die allein in der Vergangenheit das paradiesischen Glück sehen: Früher war alles besser! Das ist keine Lösung für die aktuellen Probleme, aber immerhin besser als der missmutige und pessimistische Blick in die Zukunft. Weder das Eine noch das Andere hilft mir in meinem Alltag. Es ist in der Tat nicht so einfach den richtigen Durch-Blick zu behalten zwischen dem Nachtrauern vergangener Zeiten und den wenig Mut machenden Ausblicken einer Zukunft.

Da ich selbst immer ein bisschen zwischen beidem stecke – dem verklärenden Erinnerungen und dem ängstlichen Zukunftsblick – kommt mir eine Liedstrophe aus meiner Schulzeit in den Sinn: „Du hast ja ein Ziel vor den Augen, damit du in der Welt dich nicht irrst...“. Das hat zwar im Ansatz wenig mit meinem Christsein zu tun, nimmt aber wohl den Gedanken des Bibelverses gut auf. Ich lebe auf dem Land. Hier und da sieht man ihn noch, den Bauern mit seinem Pflug. Und er macht es richtig! Auf dem Acker hat es seinen praktischen Sinn nach vorn zu schauen. Konzentriert auf das, was vor einem liegt: die zu bearbeitende Fläche. Es gibt ein klares Ziel und es gibt eine bewährte Methode. Wenn ich das Feld pflüge, dann muss ich nach vorn schauen, damit die Ackerfurche nicht Gefahr läuft gänzlich krumm und schief zu werden. Die Orientierung behalten.
Zwischen den „ewig Gestrigen“ und den „missmutigen Pessimisten“ lese ich den Vers aus dem Lukas-Evangelium ganz praktisch: „Wer die Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.“ Wir haben ein klares Ziel vor den Augen, damit wir uns in der Welt nicht verrennen. Wir können es ganz plakativ „Reich Gottes“ nennen. In unserem Christsein sind wir diesem „Reich Gottes“ verpflichtet. Wir reden davon und wir leben darauf hin. Also, ran an den Pflug (bildlich gesprochen) und nach vorn geschaut. Das Ziel im Auge. Nicht wehmütig nach hinten geblickt, aber schon gar nicht so pessimistisch in die Zukunft. „Meine Augen sehen stets auf den Herrn...“, so fordert es der kommende Sonntag. Wenn wir unser Christsein ernst nehmen, dann sollten wir es so auch mit unserem Auftrag in dieser Welt tun.


Pfarrer Dr. Peter Lippelt, Lüderitz